VW-Sparer erhielten Unterstützung aus Erlinghausen – Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2014 sind die Unterlagen eines 40.000 Mitglieder starken Vereins

VW-Sparer erhielten Unterstützung aus Erlinghausen – Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2014 sind die Unterlagen eines 40.000 Mitglieder starken Vereins

Niedermarsberg/ Erlinghausen. In Marsberg wurde schon immer Geschichte geschrieben. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ erhielt jetzt Zuwachs für die Sammlungen vom Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“.

Ein Blick in die Hauptstraße in Niedermarsberg um 1950 mit Personenkraftwagen der damaligen Zeit.

Ein Blick in die Hauptstraße in Niedermarsberg um 1950 mit Personenkraftwagen der damaligen Zeit.

Genauer gesagt in Form von verschiedenen Urkunden, Satzungen und sonstigem Schriftverkehr zu einem 40.000 Mitglieder starken, bundesweit agierenden Verein mit Sitz in Erlinghausen. Dieses Sammelsurium wurde nun zu Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2014 prämiert. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Der als Volkswagen geplante KdF-Wagen war eines der wichtigsten Projekte der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF). Das Auto sollte mit 990 Reichsmark für jedermann erschwinglich sein. Urheber dieses VW-Käfer-Vorläufers war Ferdinand Porsche. Ab 01.08.1938 konnten wöchentlich Sparmarken für diesen Wagen im Wert von 5 Mark erworben werden. Nach dem Erreichen der Kaufsumme sollten die Sparer dann ein Fahrzeug erhalten. Am 26.05.1938 hatte man mit dem Bau des VW-Werkes in der Nähe von Fallersleben begonnen und am 01.07.1938 hierzu eine neue Stadt gegründet. Das heutige Wolfsburg. Zu Beginn des II. Weltkriegs wurde die Fertigung des KdF-Wagens zurückgestellt. Militärfahrzeuge wurden stattdessen produziert. Keiner der VW-Sparer erhielt ein eigenes Auto. Die bis zum Krieg gebauten 630 Wagen gingen stattdessen an das Deutsche Afrikacorps, die Luftwaffe sowie an zivile Dienststellen. Nach dem Krieg verloren die Anrechtsscheine der VW-Sparer im Gesamtwert von über 280 Millionen Reichsmark, die von etwa 340.000 Personen (davon alleine 70.000 nach 1939) erworben worden waren, ihren Wert. Ab 1948 versuchten die Sparer sich zur Wehr zu setzen. Einer von ihnen war Karl Stolz aus Erlinghausen. Dieses belegen die Unterlagen von Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2014. Zusammen mit dem Kaufmann Rudolf Meichsner aus Berlin-Spandau ging er gegen den mächtigen VW-Konzern vor. Gegründet wurde am 07.10.1948 ein Hilfsverein für ehemalige Volkswagen-Sparer. Sitz dieser Vereinigung war Niedermarsberg. Die Hauptgeschäftsstelle war in Erlinghausen. Ziel des Vereins war die Durchsetzung der „berechtigten Ansprüche“ der Sparer. Der Mitgliedsbeitrag lag bei 50 Pfennig im Monat. Die eingenommenen Beträge dienten der Finanzierung des Prozesses gegen VW. Vor Gericht zeigte sich für die tausenden von VW-Sparern Karl Stolz kämpferisch: „Man kann es drehen wie man will, mich wird man nicht los.“ Den beiden Musterklägern und den 40.000 Mitgliedern des Vereins schien es nach zwölf Jahren des Prozessierens durch neun Instanzen genug der Mühe. Der Karlsruher Bundesgerichtshof behandelte dieses Thema alleine vier Mal. Unter dem Senatspräsidenten Dr. Kurt Pagendarm kam es 1961 zum endgültigen Vergleich. Da das VW-Werk aber niemals in den Besitz der Gelder gelangte, die auf einem Sperrkonto der Bank der Deutschen Arbeit verbucht waren, wurde eine Rechtsanspruch ausgeschlossen. Das Angebot seitens VW war ein Rabatt an alle ehemaligen Sparer in Höhe von 600 DM beim Kauf eines neuen Fahrzeugs zu gewähren. Wer keinen neuen Wagen kaufen wollte oder konnte, erhielt lediglich 100 DM ausbezahlt. VW-Chef Nordhoff damals: „Wir sind heilfroh, wenn wir die Sache in den nächsten Jahren hinter uns bringen!“ Denn VW musste sich auch verpflichten, dass monatlich für die ehemaligen Sparer 1.000 Wagen zur Befriedigung bereit standen. Richter Pagendarm machte den Sparern Mut: „Ich habe den Eindruck, dass das VW-Werk weit mehr als 12.000 Wagen im Jahr liefern wird.“. Somit hätte sich die Abwicklung des Vergleichs bei 120.000 Wagen über 10 Jahre hingezogen. Der Hilfsverein der ehemaligen VW-Sparer wurde im November 1962 in einer Versammlung im „Deutschen Haus“ in Niedermarsberg aufgelöst. Darauf erfolgte die Liquidation des Vereins. Immerhin konnten rund 135.000 ehemalige Sparer einen Nutzen aus dem geschlossenen Vergleich ziehen. Darunter natürlich auch die 40.000 Mitglieder des Hilfsvereins unter der Regie von Karl Stolz. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de

Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2014: Ein Schreiben an die Mitglieder des Hilfsvereins ehemaliger VW-Sparer aus dem Jahr 1952.

Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2014: Ein Schreiben an die Mitglieder des Hilfsvereins ehemaliger VW-Sparer aus dem Jahr 1952.

 

Druckkarte des Hilfsvereins ehemaliger Volkswagen-Sparer e. V.: Das Motto der Vereinigung lautete „Vereinte Kraft – Das Recht uns schafft!“.

Druckkarte des Hilfsvereins ehemaliger Volkswagen-Sparer e. V.: Das Motto der Vereinigung lautete „Vereinte Kraft – Das Recht uns schafft!“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer Slogan des Vereins: „Wer sich um sein Vertragsrecht nicht kümmert, läuft Gefahr, daß sein Recht als verwirkt erklärt werden könnte!“.

Ein weiterer Slogan des Vereins: „Wer sich um sein Vertragsrecht nicht kümmert, läuft Gefahr, daß sein Recht als verwirkt erklärt werden könnte!“.

 

Die Satzung des Hilfsvereins ehemaliger VW-Sparer vom 16.01.1952.

Die Satzung des Hilfsvereins ehemaliger VW-Sparer vom 16.01.1952.

 

 

 

 

 

 

2. Teil der Satzung des Hilfsvereins ehemaliger VW-Sparer vom 16.01.1952.

2. Teil der Satzung des Hilfsvereins ehemaliger VW-Sparer vom 16.01.1952.