Vatertag und Muttertag anno dazumal

Vatertag und Muttertag anno dazumal

Viele Männer eilen am Sonntag früh in die Blumenläden, um auf der Jagd nach einem der letzten Sträuße erfolgreich zu sein. Derweil decken die Kinder zu Hause den Tisch, um der Mama eine Freude zu bereiten: Schließlich ist der zweite Sonntag im Mai seit 90 Jahren in Deutschland der „Muttertag“. Weniger familiär, aber genauso beliebt, ist der Vatertag an Christi Himmelfahrt. Geschichtliches aus verschiedensten Archiven und Zeitungen der Region haben die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ aufgestöbert.

Vatertag ca. 1950

Vatertag ca. 1950

Der Muttertag ist ein Import aus den USA. Dort wurde er bereits im Jahr 1914 zum Staatsfeiertag erklärt. In der Schweiz war es die Heilsarmee, die den Muttertag kurz danach einführte, in Schweden war es 1919 auf Drängen der Gattin eines Volksschullehrers soweit. Die Niederländer ließen sich bis ins Jahr 1932 Zeit. Falsch ist die Behauptung, dass in Deutschland die Nationalsozialisten den Ehrentag der Mutter eingeführt haben. Zwar haben sie ihn seit ihrer Machtergreifung im Jahr 1933 propagiert, doch er wurde bereits 1923 ausgerufen.

Im Wochenblatt des Kreises Büren, zu dem früher unter anderem auch die heutige Marsberger Ortschaft Meerhof gehörte, wurde im Jahr 1932 auf eine Fibel, die unter anderem die Meerhofer Kinder darauf vorbereiten sollte, den „Muttertag als schönsten Tag des Jahres für die Mütter“ zu gestalten, verwiesen. Der Muttertag sollte in positiver Erinnerung einer jeden Familie bleiben. Dieses Paderborner Druckwerk – geschrieben von „heimischen Landfrauen der Umgegend“ – wurde nicht nur in Meerhof, sondern auch in fast allen anderen Ortschaften des Sintfeldes an alle Haushalte verkauft. Die Bürener Zeitung lobte parallel einen so genannten „Muttertagsfeier-Wettkampf“ aus. Jedes Kind samt Familie konnte seine Geschichte des perfekt gestalteten Tages für die Mutter bei der Zeitung einreichen. Die Gewinner kamen aus Meerhof: Familie Agethen.

Wenn die Mutti streikt ca. 1935 Muttertag

Wenn die Mutti streikt, ca. 1935

An Christi Himmelfahrt haben die Väter ihren Tag. Dabei geht es weniger familiär zu als am Muttertag: Ausgerüstet mit Bollerwagen ziehen die Väter durch die Gegend. Der „Vatertag“ ist eine niederländische Erfindung aus dem Jahr 1936. Dahinter steckten Zigarrenhändler und Metzger, sie wollten am „Vatertag“ ebenso gut verdienen wie die Blumenhändler am „Muttertag“. Seinen Ursprung hat der Vatertagsausflug in den so genannten Flurumgehungen, die es unter anderem in Obermarsberg am Himmelfahrtstag im 18. und 19. Jahrhundert als nachgestellten Gang der Apostel gab. Im Laufe der Zeit wurde aus diesem kirchlichen Brauch ein fröhlicher Ausflug – vor allem die örtlichen Vereine zogen in die Ausflugslokale außerhalb Obermarsbergs. So wurden aus dem nachgestellten Gang der Apostel „Schinkentouren“ und „Herrenpartien“. Unter dem Motto „Los von Muttern“ führten die ausgelassenen Touren zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Lastautos, Traktoren sowie Kutschen in die Wirtschaften der näheren Umgebung außerhalb des Ortes. Beliebte Lokale der Obermarsberger waren damals das „Rosenthal“ und das „Waldhaus an der Chaussee“ in Richtung Bredelar. Diesem Trend der „Ortsflucht“ wollte das Gasthaus der Familie Dicke (Bürgers), das in der Stadt lag und somit unfreiwillig einen „Ruhetag“ einlegen musste, entgegentreten. Es organisierte im Folgejahr zusammen mit dem Sturmius- und Jünglingsverein Obermarsberg ein „Erstes Vatertagsfest“ im Obermarsberger Waldstück „Hagen“ bei den „Dicken Steinen“. Dieser Treff wurde damals im Nachhinein sogar so beliebt, dass er nicht nur am Vatertag stattfand.