Sammlung aus der Hochburg des Karnevals ist Marsbergs Fundstück des Monats März 2014

Sammlung aus der Hochburg des Karnevals ist Marsbergs Fundstück des Monats März 2014

Giershagen. Karneval regiert derzeit die Schlagzeilen in Marsberg. In der karnevalistischen Hochburg Giershagen präsentierten jetzt die Mitglieder des „Giershagener Carnevalsverein e. V.“ (GCV) dem Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ ihre große Karnevalssammlung.

Das Foto wurde um 1950 vor der Gastwirtschaft Kappe in Giershagen aufgenommen. Zu sehen sind Aloys und Josef Knust, Arthur Schandelle, Eduard, Wilhelm und Bernhard Lüdemann, Theodor Kleffner, Anton Schmidt sowie Paul Ramspott.

Das Foto wurde um 1950 vor der Gastwirtschaft Kappe in Giershagen aufgenommen. Zu sehen sind Aloys und Josef Knust, Arthur Schandelle, Eduard, Wilhelm und Bernhard Lüdemann, Theodor Kleffner, Anton Schmidt sowie Paul Ramspott.

Sie umfasst Karnevalsfilme, Fotos, Urkunden, Plakate und viel Weiteres zum närrischen Treiben. Diese außerordentlichen Unikate aus den Ursprüngen des Karnevals wurden nun zu Marsbergs Fundstück des Monats März 2014 prämiert. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Im Gespräch mit den „Marsberger Geschichten“ berichteten Sitzungspräsident Gisbert Schandelle, Karsten Agel und Johannes Becker über die Ursprünge des Giershagener Karnevals. Fotos aus den 1930er Jahren belegen, dass auch schon vor dem Krieg kräftig gefeiert wurde. Traditionell ging es in Giershagen am Dienstag vor Aschermittwoch hoch her, dem Tag vor der Fastnacht (Fastennacht). Lüttke-Fastnacht, also der Donnerstag vorher, war wie der Name es schon sagt, mehr etwas für die Kinder. Am Dienstag-Morgen zogen damals die einzelnen männlichen Gruppen mit Masken und Spitzhüten durch das Dorf, begleitet von einem Schifferklavierspieler, und machten durch Hörnerklang, Peitschenknallen und das Klappern der Geck-Scheren auf sich aufmerksam. Frauen waren noch nicht mit von Partie. Am Abend trafen sich alle Gruppen an der Wirtschaft Reine und zogen gemeinsam durch das Dorf und präsentierten sich jetzt ohne Masken der Bevölkerung. Dann ging es zum Essen der tagsüber gesammelten Eier und Würste und danach zum Tanz im Saale Reine bis zum Ausklang um 12 Uhr Mitternacht. Dieser Brauch kam während der Kriegsjahre zum Erliegen, wurde aber ab 1946 kurzer Hand wiederbelebt. Für das Jahr 1956 ist – nachdem die Vorjahre karnevalistisch nicht ganz so großen Anklang fanden – belegt: „Die Vertreter der einzelnen Gruppen wurden in Kenntnis gesetzt und für 9 Uhr morgens wurde das Treffen vereinbart. Auch die Musikkapelle war bereit, den Umzug zu begleiten. Zwei „Fastnachtskerle“ fuhren am frühen Morgen per Motorrad durch das Dorf und machten die Bevölkerung mit der Schelle unseres Ortsdieners aufmerksam. Dann zogen wir trotz Schnee und Kälte los. An den üblichen Haltepunkten hatten sich schon viele Zuschauer eingefunden und wurden durch Musik und kleine Vorträge erfreut. Alle waren zufrieden und auch am Abend fand wieder das übliche Tanzvergnügen statt. Beflügelt durch diesen Erfolg nahmen wir uns vor, im nächsten Jahr rechtzeitig zu planen und vorzubereiten…“.

Aus den Anfängen: Ein Original-Karnevals-Plakat aus Giershagen aus dem Jahr 1957.

Aus den Anfängen: Ein Original-Karnevals-Plakat aus Giershagen aus dem Jahr 1957.

Das war die Geburtsstunde des „Großen Veilchendienstagsumzuges“, der im Laufe der Zeit immer größere Beliebtheit erlangte und heutzutage 25 Motivwagen, 30 Fußgruppen und zahlreiche Musikgruppen umfasst. Ursprünglich wurde der Prinz noch auf einer Sänfte getragen. Natürlich fand in 1956 auch eine Prunksitzung statt. Johannes Judith war der erste Sitzungspräsident. 1959 war es dann soweit, zum ersten Mal war auch eine Frau mit dabei. Auf dem Kostümball am Rosenmontag in Beringhausen wurde Marlies Koch überredet als Funkenmariechen am Dienstag in Giershagen mitzumachen. In den Vereinsaufzeichnungen steht geschrieben: „…Dass bei uns sich noch kein Mädchen dazu getraut hatte, haben wir ihr verschwiegen. Nach langer Überlegung sagte sie zu und war am anderen Morgen pünktlich zur Stelle. Wir gaben sie in die Obhut der beiden Büttel der Prinzengarde, die beide ganz stolz waren…“. In den Folgejahren fungierten Hildegard Kremper und Maria Bartmann als erste Tanzmariechen aus dem eigenen Ort und es gab nie Probleme Nachfolgerinnen zu finden. Auch ein eigens Karnevalslied textete Johannes Becker mit Bernhard Stremmer in 1957, das „als Ohrwurm zum regelrechten Gassenschlager von Giershagen avancierte und heute noch immer wieder gerne angestimmt wird. Natürlich auch am heutigen Sonntagabend, wenn ab 19:11 Uhr die Große Prunksitzung von Giershagen, die unser 550 Mitglieder starker Verein ausrichtet, stattfindet!“, so Sitzungspräsident Gisbert Schandelle und Karsten Agel vom GCV abschließend. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de

Karneval in Giershagen in den 1930er Jahren: Die Karnevalisten haben ihre typischen Spitzhüte aufgesetzt. Außerdem tragen sie eine Strohpuppe („Putzkarneval“) und die „Geck-Scheren“ mit sich.

Karneval in Giershagen in den 1930er Jahren: Die Karnevalisten haben ihre typischen Spitzhüte aufgesetzt. Außerdem tragen sie eine Strohpuppe („Putzkarneval“) und die „Geck-Scheren“ mit sich.