Rottendorf-Preis geht ins Sauerland

Rottendorf-Preis geht ins Sauerland

Heimische Mundartforschung ist westfälisch einmalig

Haus Nottbeck (Oelde-Stromberg) / Sauerland. Die kulturelle Vielfalt im Hochsauerlandkreis erstreckt sich im Osten von Marsberg bis zum Westen nach Arnsberg und Sundern. So reichhaltig sind auch die verschiedenen bis heute erhalten gebliebenen Mundarten und Dialekte des Sauerlandes.

Ein interessantes Forschungsfeld, das in Eslohe mit gleich zwei Mundartarchiven gebündelt wird und dank vieler örtlicher Vereine, Ehrenamtlicher und Akteure der gesamten Region des Sauerlandes zusammenläuft. Unter der Leitung von Dr. Werner Beckmann besteht im Stertschultenhof in Cobbenrode das Mundartarchiv Sauerland. Das Christine-Koch-Mundartarchiv am Museum Eslohe ist eine zweite bedeutende Institution für Sauerländer Platt. Es wurde begründet und wird bis heute betreut von dem Publizisten und Mundartforscher Peter Bürger.

Die Aktionen, Tätigkeiten, Bestrebungen, Publikationen und Werke der Sauerländer Mundartforschung und im Speziellen von Peter Bürger sind westfalenweit einmalig. Zu diesem Ergebnis sind nun auch die Rottendorf-Stiftung in Beratungen mit dem Westfälischen Heimatbund gekommen und haben den mit 5.000 Euro dotierten, alle zwei Jahre vergebenen landesweiten Rottendorf-Preis zum ersten Mal ins Sauerland vergeben.

Andreas J. Rottendorf (1897 bis 1971), Gründer der Rottendorf Pharma GmbH sowie Freund und Förderer der niederdeutschen Sprache, und seine Frau Rose (1899 bis 1980) übertrugen, da sie keine Kinder hatten, ihr Vermögen in eine Stiftung und gaben diese in die Obhut der damaligen Süddeutschen Provinz der Jesuiten. Die Stiftung fördert die Pharma-Wissenschaften, die Erforschung und Pflege der niederdeutschen Sprache und kirchliche, allgemeinwissenschaftliche und mildtätige Zwecke. Der Rottendorf-Preis für niederdeutsche Sprache wurde erstmals 1963 verliehen.

Jetzt bei der 26. Preisverleihung wurde dem Sauerland mit Peter Bürger die höchste Auszeichnung im westfälischen Niederdeutsch im LWL-Museum für Westfälische Literatur auf Haus Nottbeck zu erkannt. Geboren 1961 in Eslohe, studierte Bürger katholische Theologie in Bonn, Paderborn und Tübingen. Der Diplom-Theologe ließ sich zum examinierten Krankenpfleger ausbilden und war seit 1988 in Düsseldorf in Krankenhäusern und in der psychosozialen Betreuung von HIV-Betroffenen und Drogenabhängigen tätig. Ab 2003 arbeitet er als freiberuflicher Publizist und wohnt in Düsseldorf. Nach der Werkausgabe der Mundart-Lyrikerin Christine Koch (Herhagen, Padberg und Bracht) folgten umfangreiche Sammlungen und Publikationen aus plattdeutscher Schreibkultur im kurkölnischen und märkischen Sauerland. Zu dieser ehrenamtlich geleisteten Arbeit gehört auch die digitale Publikationsreihe „daunlots“ mit bereits über 70 Ausgaben. Zuletzt hat Bürger 2015 den ersten Band einer neuen Buchreihe „Sauerländische Mundart-Anthologie“ herausgebracht. Dieser Ausschnitt aus seiner weitreichenden Arbeit macht deutlich, mit welcher Intensität Peter Bürger Texte in sauerländischer Mundart sammelt, erforscht, aufbereitet und herausgibt.

Der zweistündige Festakt auf Haus Nottbeck wurde durch Franz-Josef Harbaum, stv. Vorstandsvorsitzender der Rottendorf-Stiftung, und dem stv. Landrat des Kreises Warendorf, Franz-Ludwig Blömker, eingeleitet. Die Laudatio vor 300 geladenen Gästen hielt Prof. Dr. Walter Gödden, Geschäftsführer der LWL-Literaturkommission für Westfalen. Die Verleihung und Verlesung der Urkunde des Rottendorf-Preises erfolgte von Pater Ralf Klein SJ, dem Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums der Rottendorf-Stiftung und der beidsprachigen Gratulation (Hochdeutsch-Plattdeutsch) durch Dr. Werner Beckmann, Leiter des Mundartarchivs Sauerland. Musikalisch umrahmt wurde die Zeremonie von der Gruppe „pattu Blues.Folk.Platt“, den vorherigen Preisträgern des Rottendorf-Preises aus dem Jahr 2014.

Dass das sauerländische Platt eine lebendige Sprache ist, zeigt auch die westfälisch einmalige, immer montags stattfindende von Markus Hiegemann moderierte Radio-Reihe „DO BISTE PLATT“ der Hochsauerlandwelle in Zusammenarbeit mit Peter Bürger, Dr. Werner Beckmann, den Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V., dem Briloner Heimatbund – Semper Idem e. V., dem Heimatbund der Stadt Olsberg, der Kolpingfamilie Eslohe und dem Waldeckischen Geschichtsverein mit den Bezirksgruppen in Diemelstadt und Diemelsee mit ihren zahlreichen Mundart-Sprechern.

Eine Sondersendung hierzu mit Wissenswertem zur plattdeutschen Sprache, Impressionen, Emotionen und weiteren Eindrücken zur großen Preisverleihung auf Haus Nottbeck findet am Montag, dem 07.11.2016 ab 20 Uhr über Radio Sauerland statt.

Mitwirken werden Dr. Bernward Garthoff (Vorstandsvorsitzender der Rottendorf-Stiftung), Franz-Josef Harbaum (stv. Vorsitzender der Rottendorf-Stiftung), Dr. Markus Denkler (Geschäftsführer der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens), Prof. Dr. Walter Gödden (Geschäftsführer der LWL-Literaturkommission für Westfalen), Susanne Festge (Vorsitzende „Haus Nottbeck“), Elmar Reuter (Vorsitzender des Sauerländer Heimatbundes e. V.), Hans-Jürgen Friedrichs (Kreisheimatpfleger im HSK), Dr. Werner Beckmann (Leiter des Mundartarchivs Sauerland) und natürlich Peter Bürger.

Die Radiosendung ist über die UKW-Antennen-Frequenzen 94,8, 96,2 oder 106,5 MhZ bzw. über die Kabel-Frequenz 107,4 MhZ zu hören.

Alternativ und weltweit kann sie über das Webradio von www.RadioSauerland.de mitverfolgt werden.

Nach der Übergabe des Rottendorf-Preises 2016 auf Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg, dem LWL-Museum für Westfälische Literatur – v. r. n. l. Franz-Ludwig Blömker (stv. Landrat vom Kreis Warendorf), Jürgen Mönkediek (pattu, vorherige Preisträger), Franz-Josef Harbaum (stv. Vorstandsvorsitzender der Rottendorf-Stiftung), Prof. Dr. Walter Gödden (Geschäftsführer der LWL-Literaturkommission für Westfalen), Bronzebüste des Stiftungsgründers: Andreas J. Rottendorf (1897-1971), Andreas Karl Böttcher (Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.), Dr. Werner Beckmann (Leiter des „Mundartarchivs Sauerland“), Peter Bürger (Publizist und Mundartforscher), Markus Hiegemann (Moderator Hochsauerlandwelle – DO BISTE PLATT), Pater Ralf Klein SJ (Vorsitzender des Stiftungskuratoriums der Rottendorf-Stiftung), Peter Egger (pattu, vorherige Preisträger) und Georg Bühren (pattu, vorherige Preisträger). Foto: Weitblick-Medien.de, Heiko Marcher

Blick in den Saal von Haus Nottbeck während des Festakts. Foto: Weitblick-Medien.de, Heiko Marcher

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