Pfingsten anno dazumal in Marsberg

Pfingsten anno dazumal in Marsberg

Mit sehr unterschiedlichen Bräuchen von einer kindlich nachgespielten Hochzeit über den „Pfingstlümmel“ bis hin zum Metzger-Wettstreit um den schönsten Pfingstochsen beging man in den Marsberger Ortsteilen früher die Pfingstfeiertage. Die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ haben sich auf Spurensuche in die Archive begeben und Bräuche aus verschiedensten Jahrhunderten zusammengetragen:

Pfingsten 1912

Pfingsten 1912

Dieses Fest wird schon seit dem 3. Jahrhundert gefeiert. Während die katholische Kirche im Pfingstfest vor allem das Ende der 50-tägigen Osterzeit sieht, feiern die Protestanten mehr die Erinnerung an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und die Jünger. In den Kirchen wurde das Pfingstwunder bis zur Zeit der Aufklärung mit einer hölzernen Taube veranschaulicht, die unter der Kirchendecke schwebte. In unserer katholischen Gegend gab es zu Pfingsten große Prozessionen, die meist um die Gemarkungsgrenzen führten. Sie fanden oft am Dienstag als Abschluss der Osterzeit statt. Pfingsten galt im Marsberger Volkstum als bedeutendstes Fest, zu dem die außerhalb Lebenden in ihre Heimatstadt kamen, um an der Prozession teilzunehmen, die meistens von 6 bis 13 Uhr dauerte. Danach fanden viele Klassentreffen und Kommunionjubiläen statt. In Beringhausen und den umliegenden Ortschaften traten in den 1920er Jahren traten die Metzger in den Tagen vor Pfingsten zu einem imponierenden Wettstreit an: Sie zogen mit Pfingstochsen, die sie mit Blumen und Girlanden geschmückt hatten, durch die Straßen. Auf diese Weise wollte jeder beweisen, dass er den schönsten und am besten gemästeten Ochsen gekauft hatte. Die Tiere wurden dann am nächsten Tag geschlachtet und als Festbraten verkauft. In Heddinghausen gaben dagegen um 1900 die Bräuche der Kinder dem Fest seine besondere Note: Beim Pfingstheischen ahmten die Jungen und Mädchen eine Hochzeit nach. Dabei zog die junge „Hochzeitsgesellschaft” mit Braut und Bräutigam unter einem Blumenbogen durch die Nachbarschaft. Die Kinder sangen Lieder und heischten um Würste oder süße Gaben. In Canstein gab es lt. einem Bericht aus 1883 einen Brauch, bei dem einer der Jungen als „Pfingstlümmel” eine wichtige Rolle spielte: Ein Junge wurde so in Buchenlaub eingebunden, dass er nichts mehr sehen konnte und von zwei anderen Jungen geführt werden musste. Außenstehende sollten den „Pfingstlümmel” nicht erkennen. Die beiden Begleiter des Pfingstlümmels trugen mächtige Knüppel und sagten: „Wir kommen gegangen, mit Stangen und Brangen. Und haben einen wilden Mann gefangen, der nicht gut gehen kann. Drum gebt ihm ein kleine Gabe, woran er sich labe.” Der „Pfingstlümmel” wurde wie ein Tanzbär herumgeführt und musste obendrein noch Kunststückchen machen. Dieser Brauch war im Waldecker Land stark verbreitet und ist so wahrscheinlich über die Grenze nach Canstein „hinübergekommen“. Aus Westheim wird aus der Zeit vor der Wende ins 20. Jahrhundert berichtet, dass Kinder einen Pfingstkranz trugen, der nicht nur mit Blumen und bunten Papierstreifen, sondern auch mit angemalten Eiern und einem Hahn geschmückt war. Um 1850 gab es in Meerhof für das Gesinde das Fest der „Pfingstbraut”. Dabei galt es, früh aufzustehen, denn das Milchmädchen, das am Pfingstmorgen als letzte auf die Weide kam, um die Kühe zu melken, wurde „Pinkesbrut” genannt. Den Langschläfern unter den Knechten erging es nicht besser: Sie wurden „Pinkeshammel” gerufen.  Sogar die Kühe und Ochsen, die zuletzt auf der Weide ankamen wurden das ganze Jahr als „Pinkeskauh” und „Pinkesosse” benannt. Von der Schäferfamilie Müntefering (Vorfahren des bekannten SPD-Politikers), heute Elisenhof, wird über ein volkstümlichen Ritus berichtet: Sie reinigten zum Pfingstfest das gesamte Haus sowie den Hof samt Stallungen mit einem selbst gebundenen Besen, um so alles Unglück hinauszukehren. Besonders sollte so die Feuersbrunst ferngehalten werden. In Erlinghausen versuchten die Menschen am Ende des 18. Jahrhunderts, ihrem Lebensglück zu Pfingsten auf die Sprünge zu helfen. Sie glaubten, dass das Brunnenwasser an den Pfingsttagen eine besondere Wirkung und Heilkraft hätte. In einem Bericht hieß es, dass man noch so viele Jahre leben könne, als man Gläser Wasser aus dem Brunnen trinken würde.