Palmsonntag in Marsberg anno dazumal

Palmsonntag in Marsberg anno dazumal

Der Verein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ hat sich auf geschichtliche Spurensuche in die Archive begeben und ist zum Brauchtum rund um den Palmsonntag in Marsberg fündig geworden.

Jubilar Propst Hagemann im Kreise der Primizianten Henneken und Schlüter, 1936, Erinnerungskärtchen

Jubilar Propst Hagemann im Kreise der Primizianten Henneken und Schlüter, 1936, Erinnerungskärtchen

Noch um 1900 galten die am Palmsonntag (Sonntag vor Ostern) geweihten Palmzweige als wirksames Mittel, um Häuser vor Feuer und Blitz zu schützen, deshalb wurden sie unter das Dach des Hauses gelegt oder bei schweren Unwettern im Herdfeuer verbrannt. Bei so manchem Zipperlein galten sie bei Mensch und Tier auch als probates Mittel zur inneren Anwendung.

Noch heute ist der Brauch verbreitet, Palmstöcke anzufertigen. Die Kinder ziehen am Palmsonntag zur Kirche, wo die Palmstöcke geweiht werden. Die Stöcke werden in der Regel aus Buchsbaumzweigen hergestellt, teils auch aus Zweigen der Salweide oder der Haselnuss. Die Kindergärten und Grundschulen fertigten früher die Brauchtumszweige meistens in der Vorwoche an. Kinder und Eltern nahmen sich dabei viel Zeit dafür, die grünen Zweige vor allem mit buntem Krepppapier und Schleifenband zu schmücken. Die Art der Palmstöcke ist traditionell von Ort zu Ort sehr unterschiedlich: Die Formen der Palmstöcke reichten von kleinen Baumwipfeln mit vielen Ästen, über gerade Stöcke mit vielen kurzen seitlichen Verzweigungen bis hin zu kunstvollen kreuzförmigen Gebinden. Um die Wende zum 20. Jahrhundert herum wurden in den Zweigen vor allem bunte Schleifen aus Stoff und Papier, Heiligenbilder und unterschiedliche Lebensmittel wie Gebildbrote, Nüsse, Äpfel oder auch Bonbons befestigt. Die Kinder legten ihre Palmstöcke vor das Kreuz in der Kirche, wo sie geweiht wurden. Nach dem Hochamt wurden die geweihten Palmstöcke vor den Türen der Kirche verteilt. Alle Erwachsenen versuchten einen der begehrten Stöcke zu erlangen. Diejenigen, die keinen Palmstock mit nach Hause brachten, erhielten nämlich angeblich zu Ostern keine Eier. Die geweihten Palmen werden in vielen katholischen Familien auch heute noch an besonderen Orten im Haus aufbewahrt. Um 1900 war der Glaube an die segensspendende Kraft der Palmzweige noch weit verbreitet. Deshalb zerteilte man die Palmbüschel und brachte möglichst in jedem Raum des Hauses sowie in den Stallungen ein Zweiglein an. Vielfach wurden die Palmen auch unter das Dach des Hauses gelegt, teilweise sprach man ihnen sogar heilende Kraft gegen Krankheiten zu, deshalb wurden sie als Tee getrunken oder einfach nur gekocht. Weit verbreitet sind auch die Palmprozessionen. Z. B. in Obermarsberg zog und zieht die Prozession aus dem Ort hinaus zum Kalvarienberg. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. An diesem Tag wird des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem gedacht. Zum Zeichen seines Königtums jubelte das Volk ihm zu und streute dem nach Jerusalem Kommenden Palmzweige. Palmen wurden vielerorts als heilige Bäume verehrt. Sie sind von altersher Sinnbild des Lebens und des Sieges. In Niedermarsberg waren in 1936 die Tage um Palmsonntag von religiösen Feiern, Anlässen und Jubiläen umgarnt. Am Passionstag wurden die Niedermarsberger Johannes Henneken und Anton Schlüter durch Erzbischof Dr. Kasparklein in Paderborn zu Priestern geweiht. Am 28. März wird vermeldet, dass der Guss für die neue Glocke der Propsteigemeinde „gestern erfolgt ist“. „Es handelt sich um die größte Glocke, die bis jetzt am Geläute unserer Pfarrkirche noch fehlte.“ Die Vorgängerin wurde im I. Weltkrieg eingeschmolzen. „Die neue Glocke mit dem Ton „h“ wird ein Gewicht von 52 Zentnern haben.“ Das Material wurde Jahre zuvor von der Kupferhütte erworben. Die Kosten wurden auf 3000 RM für den Guss (ohne Material), Kugellager mit Stahlzapfen und die elektrische Läutmaschine beziffert. Zum Osterfest sollte sie erstmals erklingen. Die Palmprozession fiel aufgrund der vielen katholischen Festlichkeiten in Niedermarsberg aus. Auch die Kreuzwegs-Prozession zum Bilstein am Karfreitag und die Prozession am zweiten Ostertag wurden abgesagt. Mit dem Palmsonntag begann in Niedermarsberg eine „religiöse Woche, die als Missionserneuerung, als Eucharistische Woche und als Vorbereitung auf das hohe Osterfest und die Feier am zweiten Ostertage“, dienen sollte. Die Predigten wurden vom Herz-Jesu-Missionshaus-Pater Theodor Niessen aus Oeventrop gehalten.

Am 2. Ostertag war es endlich soweit, die „Feier des Jahres“ fand statt. H. H. Propst Hagemann konnte sein goldenes Priesterjubiläum und silbernes Ortsjubiläum feiern. Außerdem wurde die „Doppelprimiz Henneken-Schlüter“ durch die Erstlingsopfer an den Nebenaltären der Propsteikirche in deren Heimatort feierlich begangen. Hagemann als dritter Propst von Niedermarsberg wurde in Frohnhausen in der Warburger Börde als „Sohn eines alten Bauerngeschlechts“ geboren. Er besuchte u. a. die Rektoratsschule in Brakel, das Gymnasium Theodorianum zu Paderborn, die Universität Münster, die Jesuitenschule in Innsbruck und das bischöfliche Seminar in Eichstätt. Am 14. April 1886 feierte er -von Weihbischof Freusberg vergeben- seine Primiz. Weitere Tätigkeiten in Wewelsburg, Dortmund und Warburg führten Hagemann nach Niedermarsberg. Am 04. Oktober 1910 wurde er als Nachfolger des verstorbenen H. H. Propstes Prälaten Johannes Wilhelm Schröder eingeführt. Propst Hagemann erhielt am 30. November 1929 „in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um Kirche, Schule und Stadt“ die Niedermarsberger Ehrenbürgerschaft. Seine Publikationen zur Marsberger Geschichte sind stadtbekannt.