Marsbergs Fundstück des Monats September 2013 blickt auf vergangene Tage und berühmte Persönlichkeiten Cansteins

Marsbergs Fundstück des Monats September 2013 blickt auf vergangene Tage und berühmte Persönlichkeiten Cansteins

Canstein. Der Lehrer Peter Lübke trat am 04.12.1819 seine Stelle in Canstein an. Er tätigt viele Aufzeichnungen zum Ort und schreibt auch über das hiesige Schloss, dem damaligen Sitz der Herren von Spiegel zum Desenberg-Canstein. Aus dieser Adelsfamilie traten zwei überregional-bedeutende Persönlichkeiten hervor.

Messbild von Erzbischof Ferdinand August Spiegel

Messbild von Erzbischof Ferdinand August Spiegel

Der Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ hat in den letzten Tagen viele interessante Urkunden und Zeitdokumente der von Spiegels erhalten und kürt diese nun zu Marsbergs Fundstück des Monats September 2013. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Lehrer Lübke schreibt, dass Canstein damals „ein Dorf von wenigen Lehmhütten und fünf Bauernhäusern“ war. Ferner: „Das Schloß liegt auf einem Berg, an dessen Fuß eine große ausgedehnte Meierei lag, die 36 Pferde und 72 Kühe hielt“. Einer der berühmtesten „Cansteiner“ war Franz Wilhelm von Spiegel zum Desenberg-Canstein. Er wurde am 08.01.1753 auf Schloss Canstein geboren. Als Minister des kurkölnischen Staates und Landdrost des Herzogtums Westfalen, wozu er sich 1779 bewarb, reformierte er im Sinne des Josephinismus das Herzogtum. Dieses führende Amt bekleidete vor ihm auch schon sein Vater Theodor Hermann von Spiegel. Während der Amtszeit Franz Wilhelms setzte er sich für eine gerechtere Steuerverteilung, staatliche Wirtschaftsförderungsmaßnahmen und der Einrichtung von Elementarschulen ein. Außerdem widmete er sich einer umfassenden Reform von Justiz und „Polizei“. Hierzu gehörte auch der Bau eines Zuchthauses in Arnsberg, dem späteren Sitz der preußischen Regierung und heutigem Verwaltungsgericht. Nach dem Amtsantritt von Kurfürst Max Franz wechselte Franz Wilhelm von Spiegel dann nach Bonn in die Regierung des „Gesamtstaates“. Als leitender kurfürstlicher Minister und „Finanzminister“ fand er einen deutschlandweiten Persönlichkeitsstatus. Zollreformen, Reformen im Forstwesen und in der Verwaltung waren nur einige wenige Verdienste von Spiegels. Die Bonner Akademie baute er zu einer Universität in 1786 aus. Am 06.08.1815 verstarb er. Sein Halbbruder Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg-Canstein (geb. am 25.12.1764 auf Schloss Canstein) gelangte zu ähnlicher Berühmtheit.

Er war von 1824 bis 1835 Erzbischof von Köln: der erste Erzbischof nach der Übernahme durch die Preußen, der kein weltlicher Fürst mehr war. Gegen Ende seines Lebens beschloss er seinem Heimatort Canstein eine Kirche zu stiften. Dieser im Raume des Erzbistums Paderborn einmalige klassizistische Bau wurde von rund 50 Männern des Dorfes aus örtlichen Baustoffen erstellt. Hierfür erwarb Erzbischof Ferdinand August von Spiegel für 80 Taler und 20 Silbergroschen den Schultengarten, gelegen zwischen dem Kleppenfluß und der Wohnung des Christian Drilling, im Januar 1833. Ferdinand August von Spiegel verstarb am 02.08.1835 in Köln und konnte somit die Fertigstellung seiner Cansteiner Kirche nicht miterleben. Noch heute erinnert ein Bildnis in der Kirche an ihn. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de