Marsbergs Fundstück des Monats November 2013 blickt auf und in die Vinzenziusmühle von Obermarsberg

Marsbergs Fundstück des Monats November 2013 blickt auf und in die Vinzenziusmühle von Obermarsberg

Obermarsberg. Hilde Mühlenbein aus Obermarsberg stammt aus dem Geschlecht einer alten Marsberger Müllerfamilie. Sie überreichte dem Verein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ jetzt geschichtliche Aufzeichnungen, Dokumente und Fotos zur Vinzenziusmühle in Obermarsberg.

01 - Hilde Mühlenbein mit dem Modell des Innenlebens der Vinzenziusmühle

Hilde Mühlenbein präsentiert das Modell des „Innenlebens“ der Vinzenziusmühle.

Diese Sammlung wird der Marsberger Geschichts- und Heimatverein vollständig in seinen zukünftigen Vereinspublikationen innerhalb verschiedenster Artikel veröffentlichen. Auch zur Geschichte der Diemelfischerei können hieraus mehrere Kapitel entstehen. Hilde Mühlenbein präsentierte darüber hinaus ein Modell zum „Innenleben“ der Vinzenziusmühle, an dem man die einzelnen Arbeitsabläufe nachvollziehen kann. Die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ prämierten das Mühlenmodell jetzt zu Marsbergs Fundstück des Monats November 2013. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Das Modell wurde von Philipp Mühlenbein, dem Vater von Hilde Mühlenbein, im Alter von 80 Jahren im Jahr 1966 gebaut. Es zeigt den Zustand der Vinzenziusmühle auf dem Stand der Zeit von 1852 bis 1914. Man bekommt einen schönen Einblick auf das Stampfwerk und den Graupengang, kann auf die einzelnen Mahlgänge blicken und schaut abschließend auf den Mehlsichter der Mühle. Ein Obergraben der Diemel sorgte für die nötige Wasserkraft der Pfahl-, Knochen-, Säge-, Öl- und Kornmühle. Die verschiedenen Eigentümer der Vinzenziusmühle hielten zudem Gipspochen. In 1850-51 erwarb Johann Heinrich Kloke die Mühle.

02 - Vinzenziusmühle um 1912

Dieses Foto aus der Zeit um 1912 zeigt die Vinzenziusmühle von Obermarsberg. Im Vordergrund steht der Mühlenbesitzer Johann Mühlenbein (1845-1922).

Er war Administrator beim Reichsgrafen zu Stolberg-Stolberg in Westheim, Gründer des Niedermarsberger Krankenhauses und späterer Eigentümer des Rittergutes Haus Hoppecke. Im Mai 1854 erhielt Kloke die Konzession. Gustav Kloke, der zweite Sohn von Johann Heinrich Kloke, erlernte hier das Müllerhandwerk. Durch den bald begonnen Bahnbau musste auch das Flussbett der Diemel teilweise reguliert werden, dadurch wurden die von der Diemel den angrenzenden Mühlen zugeleiteten Mühlenbäche in ihrer Wasserkraft geschwächt. So erging es auch der Vinzenziusmühle. Um ihr aber die nötige Betriebskraft zu erhalten und gleichmäßig zu regulieren, beantragte Administrator Kloke die baupolizeiliche Genehmigung zwecks Anlage eines sogenannten Stau- und Durchlasswehres an der Diemel bei der Stadt Obermarsberg. Diese lehnte aber ab – mit dem Hinweis auf mögliche Hochwassergefahren. Da Kloke bei den Behörden keine Zustimmung fand, reiste er nach Berlin und erreichte sogar eine Audienz bei König Wilhelm I.. Die ersten Anträge scheiterten allerdings. Dass dieser Kampf um sein Recht, der jahrelang währte nicht ohne Folgen für Klokes Gesundheit blieb, dürfte auf der Hand liegen. Kloke machte eine Kur in Karlsbad (Böhmen) mit, wo er noch einmal zufällige Gelegenheit hatte mit König Wilhelm I. und Kanzler Bismarck zu sprechen.

03 - Blick auf den Mühlenboden der Vinzenziusmühle Obermarsberg

Blick auf den Mühlenboden der Vinzenziusmühle in Obermarsberg.

Darauf folgte endlich die Konzessionierungsgenehmigung zur Errichtung des Stau- und Durchlasswehres, datiert vom 31. März 1864. Johann Mühlenbein, der Sohn des Müllers Bernhard Mühlenbein und seiner Frau Theresia, geb. Biederbeck, übernahm in 1879 die Mühle als Pächter. 1911 erwarb die Provinz Westfalen – heute LWL – die Mühle in der von 1918 bis 1952 Philipp Mühlenbein als Müller tätig war. Sohn Rudolf Mühlenbein führte die Tradition der Müllerfamilie fort. In einem Bericht der Vinzenziusmühle aus 1963 ist zu lesen, dass es „Mühlensteine nur noch beim Schrotgang gibt“. Alles andere wurde von modernen Maschinen, nämlich einem Walzenstuhl, betrieben. „Das Getreide, das die Bauern der umliegenden Dörfer zum Mahlen und Schroten bringen, muß mehr als zwölfmal durch den Plansichter laufen. Die Spitzen- und Schälmaschine kappt die Körnerspitzen und befreit das Korn von seiner Schale. Der Asperateur sortiert Stengel, Disteln, Ähren – also alle groben Verunreinigungen – aus. Ein Magnet sorgt dafür, daß alle Metallteile, soweit ein Magnet auf sie anspricht, herausgezogen werden.“ Es war üblich, dass Nägel, Splinte und Drähte zum Vorschein kamen und sonst die Maschinen beschädigten. Etwa 20 Zentner je Tag konnte die Vinzenziusmühle verarbeiten. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de