Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2013 präsentiert ein gutes Stück Niedermarsberger Geschichte

Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2013 präsentiert ein gutes Stück Niedermarsberger Geschichte

Den „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ wurde in den letzten Tagen ein umfangreicher Fundus zur Niedermarsberger Geschichte übergeben. Diese komplette Sammlung einer alteingesessenen Niedermarsberger Familie wurde nun vom Marsberger Geschichts- und Heimatverein zum Fundstück des Monats Mai 2013 prämiert. Der Sauerlandkurier stellt diese wertvollen, geschichtlichen Zeitdokumente vor.

Eva Schmidt und Tochter Patrizia haben den „Marsberger Geschichten“ den kompletten Nachlass ihrer Vorfahren, der Familie und Schreinerfirma Hoffmann aus der Niedermarsberger Mittelstraße, zur Verfügung gestellt. Die Wohn- und Firmengebäude der Hoffmanns standen früher an der Stelle, wo heute – ganz aktuell – ein neuer Wohnkomplex entstanden ist. Firmengründer war der in 1844 geborene Anton Hoffmann (Urgroßvater von Eva Schmidt). Über seinen Sohn Heinrich Hoffmann hinaus bestand der Betrieb einige Generationen lang bis Anfang der 1980er Jahre. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 20 Personen beschäftigt. Neben vielen alten Rechnungen mit Briefköpfen von Marsberger Gewerbetreibenden aus zwei Jahrhunderten, liegen nun Auftragsbücher, Pläne, Karten, Gemälde, Fotos, Urkunden und allerlei weitere Dokumente sowie Gegenstände zur Familie und Firma Hoffmann für weitere Geschichtsaufarbeitungen vor. Da Anton und Heinrich Hoffmann sich auch im Niedermarsberger Kriegerverein engagiert haben, existieren in dieser Sammlung auch diverse Dokumente und Orden zur Marsberger Kriegergeschichte. Ein ganz besonderes Unikat ist das Statut des Niedermarsberger Handwerker- und Gewerbevereins von 1855. Es wurde durch das „königliche Ober-Präsidium der Provinz Westphalen“ (Präsident: von Düesberg) am 24.08.1855 genehmigt und anschließend bei „Druck und Papier von C. Weinert“ in Lippstadt gedruckt. Das Statut enthält neben dem Aufnahmeschein für weitere Mitglieder einige Paragrafentexte, die das Miteinander der Gewerbetreibenden untereinander regelten. Die Niedermarsberger Unternehmervereinigung wurde gegründet, da in Marsberg keine Innungen zu Stande kamen. Die Mindestmitgliederzahl der jeweiligen „einzelnen Handwerke“ konnte bei keiner Berufsgruppe erreicht werden. Am 02.10.1853 kamen die Niedermarsberger erstmalig zusammen, um „zur Beförderung der allgemeinen Eintracht, Vervollkommung und Hebung der Gewerbe, Erhaltung der Ordnung, Befestigung des Sinnes für das allgemeine Wohl und gegenseitige Unterstützung der einzelnen Mitglieder in Krankheitsfällen“ zu sorgen. Krankenversicherungen gab es damals noch nicht. In 1855 hatte man das Statut endgültig spruchreif. Der „Orts-Behörde“ musste vierteljährlich das Mitgliedsverzeichnis vorgelegt werden. Diese überprüfte den „guten Ruf“ der Mitglieder. Auch wurde überwacht, ob sich die Mitglieder „dem Trunke ergeben haben“. War dieses durch die Behörde in Frage gestellt worden, so entschied der Vorstand über den weiteren Verbleib im Verein. Neumitglieder wurden vom Vereinsarzt ausgiebig und unentgeltlich untersucht. Der Vorstand des Vereins wurde durch einen Wahlausschuss von 12 Mitgliedern gewählt. Bürgermeister Schumacher leitete die „Wahlverhandlung“. Die Wahl durfte vom „Gewählten“ nicht ausgeschlagen werden, sofern 6 Wahlmänner der Meinung waren, dass dieser die erforderlichen Kenntnisse besitze. Sollte der „Gewählte“ dennoch seine Wahl ablehnen, so musste er für die Dauer eines Jahres den doppelten Beitrag zahlen. Die Vereinsmitglieder versammelten sich jeweils am „ersten Sonntage eines Monats, Abends sechs Uhr“, wobei während der Versammlung „die größte Ruhe“ zu herrschen hatte und „geistige Getränke“ nicht genossen werden durften. Kassenbücher und Bargeldbestände lagerten in einem „starken Kasten mit doppeltem Verschluss. Der Vorsitzende bewahrte den Hauptschlüssel auf, den zweiten Schlüssel hatte der Kassenführer inne. Das „Eintrittsgeld“ für die Aufnahme betrug 1 Thaler, bei jedem Treffen fielen erneut 2 ½ Silbergroschen zur Zahlung an. Dreimonatige Rückstände wurden mit Ausschluss geahndet. Die Beiträge wurden für Vereinszwecke und für krankheitsbedingte Ausfälle eingesetzt. Konkret: Es wurden der Arzt, die Medikamente vom Apotheker Iskenius und 1 Thaler pro Woche für den Arbeitsausfall gezahlt. Starb ein Mitglied konnten die Hinterbliebenen 5 Thaler erhalten. Die Aufnahme von Schreinermeister Anton Hoffmann in den Niedermarsberger Handwerker- und Gewerbeverein wurde am 04.01.1874 vom Vorsitzenden Hammerschmidt, dem Schriftführer H. Sieweke und dem Kassenführer Kloke bestätigt. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats und Marsbergs virtuellen „Mit-Mach-Museum“ finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de