Marsbergs Fundstück des Monats Juli 2013 erinnert an die Familie Buse in Obermarsberg und blickt auf das spätere Liboriushaus

Marsbergs Fundstück des Monats Juli 2013 erinnert an die Familie Buse in Obermarsberg und blickt auf das spätere Liboriushaus

Reinhard Bickmann aus Niedermarsberg hat als fachkundiger Geschichtsfreund und pensionierter Mitarbeiter des Amtsgerichts Marsberg sich mit der Historie des ehemaligen Bauernhauses Buse in Obermarsberg, dem späteren Liboriushaus der Salvatorianerinnen-Schwestern beschäftigt. Als Großneffe des letzten Eigentümers der Familie, Joseph Buse, hat er ausgiebig die historischen, frei einsehbaren Grundbuchakten durchforscht.

Passend zur Libori-Woche in Paderborn übergab und präsentierte er nun dem Verein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ seine Recherchen. Diese Dokumente rund um das Obermarsberger „Schwesternhaus“ wurden vom Marsberger Geschichts- und Heimatverein jetzt zum Fundstück des Monats Juli 2013 prämiert. Der Sauerlandkurier stellt Marsbergs Fundstück exklusiv vor. Landwirt Joseph Buse stammte ursprünglich aus Giershagen. Das Stammhaus seiner Familie war in der dortigen Hausnummer 10. An der Stelle des damaligen Giershagener Bauernhofes Buse (Krämers) steht heute das Feuerwehrhaus mit Leichenhalle. Joseph Buse war am 26.09.1866 geboren und hat am 19.11.1894 Karoline Stendike (geb. am 22.02.1864) geheiratet. Sie war wiederum eine Tochter von den Obermarsberger Eheleuten Levin Stendike und Maria Willeke. Die Eheleute Karoline und Joseph Buse hatten vier Kinder: Maria, Karoline, Bernhard und Levin. Die gesamte Familie hatte sich durch Kuhmilch an Tuberkulose angesteckt. Die drei erstgenannten Kinder starben hieran bereits in den Jahren zwischen 1914-16. Der Tod des Sohnes Levin Buse ist für den 05.09.1920 vermerkt. Seine Mutter Karoline starb am 27.09.1921. Der nunmehr alleinstehende Joseph Buse verkaufte daraufhin den Grundbesitz zwei Jahre nach dem Tode seiner Ehefrau an die Ordensschwestern der Salvatorianerinnen durch Kaufvertrag vom 23.10.1923.

Exponate von Haus Böttcher: Das Modell der Statue des Hl. Liborius sowie die Bauzeichnung des Obermarsberger Schwesternhauses.

Exponate von Haus Böttcher: Das Modell der Statue des Hl. Liborius sowie die Bauzeichnung des Obermarsberger Schwesternhauses.

Die damalige Weltwirtschaftskrise war bereits im vollen Gange. Der Wert des Übertragungsgegenstandes betrug 450 Milliarden Mark. Die neuen Eigentümer hatten lt. Vertrag außerdem folgende Leistungen zu erbringen: 1. Vollständiges Wohn-, Unterhalts- und Pflegerecht; 2. Ein Taschengeld von monatlichem Wert von 10 Pfund Roggen; 3. Für Joseph Buse und seine Familie jährlich 4 heilige Messen auf die Dauer von 50 Jahren. Diese waren einzeln für Joseph Buse, Frau Karoline, die Kinder: Maria, Karoline, Bernhard und Levin zu verlesen. Außerdem weist der Vertrag Messen für Buses Eltern und Schwiegereltern auf. Joseph Buse ist schließlich am 01.04.1925 ebenfalls an der heimtückischen Krankheit verstorben. Die Salvatorianerinnen bauten das ehemalige Bauernhaus Buse ab dem Jahr 1924 umfangreich aus und an. Die Bauzeichnungen des neuen Schwesternhauses am Obermarsberger Marktplatz entstanden in der Werkstatt der Gebrüder Larenz aus Marsberg. Auch die 1,20 Meter hohe Statue des Heiligen Liborius aus Kunststein sowie die Konsole samt Gehänge und Befestigungseisen wurden von den Bildhauern Larenz gefertigt und angebracht. Die Kosten hierfür beliefen sich lt. Eintrag vom 04.06.1925 auf insgesamt 290 Mark. Die Bauzeichnung und das Modell der Statue des Hl. Liborius des Obermarsberger Schwesternhauses befinden sich nun in der Sammlung von „Haus Böttcher – Haus der Geschichte“. Die Salvatorianerinnen richteten in ihrem neuen Gebäude u. a. eine Nähschule ein. Die Schwestern galten auch als erster Ansprechpartner in Krankheitsfällen und leisteten medizinischen Beistand. Außerdem begründeten sie in 1925 den ersten Kindergarten in Obermarsberg. Heute wird das ehemalige Schwesternhaus als Wohnhaus genutzt und ist komplett vermietet. Es gehört heute Olaf Zernicke. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de