Marsbergs Fundstück des Monats August 2013 erinnert an einen Bredelarer Verein und seinen Ursprüngen in Beringhausen

Marsbergs Fundstück des Monats August 2013 erinnert an einen Bredelarer Verein und seinen Ursprüngen in Beringhausen

Am letzten Wochenende klang die Marsberger Schützensaison abschließend mit ihrem Höhepunkt, dem Stadtschützenfest in Leitmar, aus. Grund genug für den Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ auf das Krieger- und Schützenwesen anno dazumal in Marsberg und seinen Ortsteilen Rückblick zu halten. In den letzten Tagen gelangte der Verein in den Besitz historischer Orden und Abzeichen von ehemaligen, heute nicht mehr bestehenden Krieger- und Schützenvereinen, die nun zu Marsbergs Fundstück des Monats August 2013 prämiert wurden.

Der Sauerlandkurier stellt die Hintergründe exklusiv vor. Laut diesen „Zeitdokumenten“ bestanden u. a. auch in Oesdorf, Canstein, Beringhausen und Bredelar Kriegervereine, in denen sich die alten Veteranen der Kriege zusammenschlossen. Auf der Suche nach weiteren Spuren speziell zum Kriegerverein Bredelar war der ortsbekannte, pensionierte Fahrschullehrer Friedhelm Huxoll (84) behilflich. Da Bredelar in der Zeit nach dem für Deutschland siegreich verlaufenden Deutsch-Französischen Krieg in 1870/71 als politische Gemeinde noch nicht bestand und damals nur eine sehr geringe Einwohnerzahl aufwies, verbündeten sich die ehemaligen, örtlichen Krieger mit denen aus Beringhausen um einen gemeinsamen Verein zu begründen. Diese Vereinigung bestand bis zum Ende des I. Weltkriegs in 1918. Vorsitzender des Kriegervereins Beringhausen-Bredelar war der Großvater von Friedhelm Huxoll: Josef Fahle. Huxoll besitzt noch heute dessen Verdienst-, Erinnerungs- sowie eine Centarmedaille von Kaiser Wilhelm I.. An der Ehrenspange haften die Namenszüge der Schlachten an denen Fahle mitgewirkt hatte, u. a. Sedan, Paris, Orleans und Le Mans. Fotos, u. a. vom Kriegerverein aus 1902 vervollständigen die „Huxoll´sche Sammlung“. Nach dem I. Weltkrieg – Bredelar war ab 1900 selbständig und einwohnermäßig gewachsen – spalteten sich die Bredelarer Krieger von Beringhausen ab – und gründeten einen eigenen Verein. Der neue Kriegerverein Bredelar bestand bis 1945 und war dem Kyffhäuserbund angeschlossen. Dessen Vorsitzender war der gebürtige Waldecker: Wilhelm Bender. Er war im I. Weltkrieg Offizier der Flak-Artillerie. Sein Wohnhaus war das Gebäude des heutigen Bredelarer Ortsvorstehers Heinz Emmerich an der Sauerlandstraße. Bender hatte dort auch ab den 1920er Jahren einen Lebensmittelgroßhandel eingerichtet. Friedhelm Huxoll erinnert sich heute noch sehr gut an seine Kindheit und Jugend, wo der Kriegerverein fester Bestandteil der Bredelarer Ortsgemeinschaft war. Mit Sicherheit hat die Mitgliedschaft von seinem Vater Wilhelm (Bürgermeister von Bredelar in der Zeit von 1945-1969) im damaligen Verein zur Erhaltung dieses Erinnerungsbildes beigetragen. Huxoll erinnert sich auch an den damaligen, vereinseigenen Schießstand, der gegenüber der alten Ziegelei, an der früheren Gänsewiese unterm Haierskopf vor dem 1. Fischteich lag. Auf dem Schießstand, der für Schießübungen bis 1939 in Betrieb war, ermittelten die noch heute aktiven Bürgerschützen (gegründet in 1920) ihren damaligen Schützenkönig in 1934 und 1935 durch Scheibenschießen. Sehr bekannt waren auch die Theaterspiele des Kriegervereins im Saal der Gaststätte Ehle. Hier wurden nicht nur kriegerische Ereignisse nachgespielt, sondern teils sogar ganze Schlachten widergespiegelt. In Reimform trug jedes Mitglied die Stationen, wo er gekämpft hatte, vor. Friedhelm Huxoll kennt noch heute einen Teil der Verse. So berichtete der Wilhelm Nüse im Rollenspiel: „…Ich schlug die Russen bei Tarnopol,…“, weitere Mitglieder folgend: „…ich war auf dem Balkan, ich in Tirol…“. Der Vorsitzende Wilhelm Bender stieg in den nächsten Reim ein: „Ich holte manch feindlichen Flieger herab,“, Wilhelm Huxoll ergänzte: „ich war auf der Derfflinger am Skagerrak!“… Vor dem Hintergrund, dass die Ursprünge und Gründungen der Krieger- und Schützenvereine in kämpferischen Schlachten liegen, ist es umso lobenswerter dass die heutigen Schützenvereine und –bruderschaften in ihrer freundschaftlichen Verbundenheit traditionell seit nunmehr 68 Jahren den Frieden und die Gemeinschaft in Europa lt. dem Motto der Europäischen Gemeinschaft historischer Schützen (EGS) fördern, leben und somit sichern. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de