Marsbergs Fundstück des Monats April 2013 taucht in die Geschichte Beringhausens ein

Marsbergs Fundstück des Monats April 2013 taucht in die Geschichte Beringhausens ein

Den „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ wurde in den letzten Tagen der Fundus eines ehemaligen Beringhäuser Vereins für geschichtliche Recherchen zur Verfügung gestellt. Die komplette Sammlung wurde nun zum Marsberger Fundstück des Monats April 2013 gekürt. Der Sauerlandkurier präsentiert diese für die Geschichte so wertvollen Belege vergangener Tage.

Ein Teil von Marsbergs Fundstück des Monats April 2013: – Ludwig Albracht präsentiert die alte Vereinsfahne des Turnvereins Beringhausen aus dem Jahr 1922.

Ein Teil von Marsbergs Fundstück des Monats April 2013: – Ludwig Albracht präsentiert die alte Vereinsfahne des Turnvereins Beringhausen aus dem Jahr 1922.

Der Turnverein Beringhausen wurde am 25.09.1909 gegründet. Die Vereinssammlung hütet und verwaltet Ludwig Albracht. Er wurde 1998 von der Generalversammlung beauftragt die Liquidation des 150 Mann starken Vereins nach dem Tode des damaligen „Vereinsmotors“ Karl-Josef Hoppe (verstorben am 15.07.1995) durchzuführen. Albracht stellte nun die Sammlung den „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ vor. Der Turnverein Beringhausen galt nach der Niedermarsberger Vereinigung als ältester Turnerzusammenschluss im damaligen Amtsbezirk. Gründungsvorsitzender war Wilhelm August Tynczek. „…durch geregelte Turnübungen die körperliche und sittliche Kräftigung…“ zu erlangen, war Zweck der Beringhäuser Neugründung der Nachfahren von „Turnvater Jahn“ in 1909. „Aufnahmefähig als Zögling ist, wer das 14. Jahr“ vollendet hatte. Mitglied konnte werden, „wer das 17. Jahr vollendet hat und unbescholten ist“, so steht es in der Vereinssatzung. Die vorliegenden Kassenunterlagen sowie das Kassenbuch des Vereins an sich weisen die Vereinsaktivitäten auf. Schon in 1909 konnte die Turnvereinigung 71 Vollmitglieder, 23 Zöglinge und 23 passive Mitglieder vorweisen. Festzustellen ist, dass der Verein neben der „St. Markus Schützenbruderschaft“ die zweitgrößte Gruppierung im Ort war und sich rege am gesellschaftlichen Leben des Dorfes beteiligte. So konnte innerhalb des Turnvereins ein Spielmannszug aufgebaut werden. Sehr beliebt waren auch die Aufführungen der Theatergruppe sowie die Fastnachtsveranstaltungen der Beringhäuser Turner. Sie dienten u. a. zur Finanzierung des Vereins. Die ersten fußballerischen Aktivitäten in Beringhausen fanden ebenfalls im Turnverein statt. 1922 sammelte der Verein 4.005 RM für den Erwerb einer eigenen Fahne ein, die schließlich noch im gleichen Jahr angeschafft wurde (siehe Jahreszahl der Fahne). Höhepunkte der Jahresaktivitäten der Beringhäuser Sportler waren sicherlich die zahlreichen Turnerfeste. Eigene Stiftungsfeste wurden nachweisbar ab 1926 gefeiert. Als gern gesehene Gäste und wettkampfstarke Turner waren die Beringhäuser u. a. Teilnehmer auf den Turn- und Sportfesten in Brilon, Rösenbeck, Elleringhausen, Niedermarsberg, Giershagen, Padberg oder Adorf. Aber auch an dem Westfälischen Turnerfest in Hamm oder dem Bundesturnfest in Hagen nahm man erfolgreich teil. Nach dem II. Weltkrieg gründete man sich am 01.01.1946 als Turn- und Sportverein Beringhausen neu. 1948 veranstaltete man einen Glockenball, um eine kleine Anschubfinanzierung für den Ersatz der im Krieg abgegebenen Kirchenglocken zu schaffen. Auch für das neue Ehrenmal stellten die Turner in 1962 einen ersten „finanziellen Baustein“.

Brauchtum und Geselligkeit wurde von je her bei den Turnern groß geschrieben. Das „Karnevals-Kerl-Stopfen“, Zuschüsse für den Martinszug, das Wursteessen, die Tischtennis- und Tennisabteilung, die Damen- und Männer-Gymnastik sowie Badminton waren nur einige wenige kulturelle und sportliche Punkte eines reichhaltigen Miteinanders. Das Kassenbuch, das all das für ewige Zeiten dokumentiert, wurde am 22.12.1998 nach der Vereinsliquidierung mit den Worten „Vater Jahns“ geschlossen: „Turner auf zum Streite! Tretet in die Bahn! (und ruft diesen Verein wieder ins Leben!!!)“. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats und Marsbergs virtuellen Museum finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de