Marsbergs Fundstück des Monats – Januar 2013

Marsbergs Fundstück des Monats – Januar 2013

Den „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ wurden viele museale Exponate und historische Dokumente sowie Fotos für die große Vereinssammlung, die im virtuellen Museum unter www.Marsberger-Geschichten.de veröffentlicht wird, zur Verfügung gestellt. Der Vorstand kürte diesmal historische Briefe einer bekannten Marsberger Auswandererfamilie, die über 150 Jahre alte sind, zum Fundstück des Monats Januar 2013.

Die 94-jährige Marsbergerin Maria Kloke liest aus den Auswandererbriefen von Johann Franz Josef Fiege aus 1859 vor, die Marsbergs Fundstück des Monats Januar 2013 sind.

Zusammen mit dem Sauerlandkurier werden exklusiv diese geschichtlich-wertvollen Dokumente vorgestellt. In den wirtschaftlich-schwierigen Jahren in der Mitte des 19. Jahrhunderts entschlossen sich viele Deutsche der hier vorherrschenden Not zu entfliehen und wanderten nach Amerika aus. Auch Marsberger Bürger schlossen sich den Trecks an und gingen auf die Reise. Erst gen Norden Richtung Nordsee, um auf die Schiffe in Bremerhaven, Wilhelmshaven, usw. zu gelangen. Einer von ihnen war Johann Franz Josef Fiege aus Niedermarsberg, der Verfasser der vorliegenden Briefe, die nun zum Fundstück des Monats prämiert wurden. Sein Brief vom 16.05.1859 – aus Sacramento geschrieben – ist der Älteste. Die 94-jährige Marsbergerin Maria Kloke, die alle Briefe dem Verein für seine geschichtlichen Recherchen überlassen hat, erhielt diese von ihrer Schwiegermutter Theresia Kloke, geb. Fiege. Deren Vater wiederum war der vorbenannte Auswanderer. Die Briefe von Johann Franz Josef Fiege beschreiben wunderbar das Leben in der „neuen Welt“ der Auswanderer mit all seinen Facetten. Fiege benennt auch seinen Paten samt Familie, Heinrich Römer, Heinrich und Joseph Fuest, Joseph Prior, Lina Madamer, Fritz Michaeli sowie die „Brotkes, Vollmers und Willekes“, die ebenfalls nach Amerika übersiedelten. Selbst sein Vater und Bruder machten sich auf den Weg und ließen den Rest der Familie in Niedermarsberg. Fiege schreibt weiter: „…Und nun ging ich als Zimmermann, mit auf den Walfischfang, im September 1852 wahr ich schon wieder auf Europäichen Besitze und das wahr Portugal…“. An der Westlichen Küste Afrikas vorbei führte die Fahrt in den südlichen Atlantischen Ozean, bis dass der erste Wal gesichtet wurde: „…das wahr ein großes Erstaunen für die noch keinen gesehen hatten…“. „…das wahr gerade als wehn ein Schwein in dem Zimmer wahr, desto ehr rauß, desto besser.“ Die Reise ging weiter bis Australien. Dort sichteten sie einen Pottfisch, dessen „Zähne feiner als Elfenbein“ waren. Fiege beschreibt das Gewicht dieses Meeresungetüms: „gewiß noch mal so schwer als wie Einwohner von Erlinghausen“. Nachdem Fiege in Lo Porte keine Arbeit mehr bekommen hatte, gelang er zurück nach „Sakramento“. Dort herrschte eine, so schreibt er am 08.02.1862, große Wasserflut, aufgrund dessen sein Bruder schon 8 Wochen nicht arbeiten konnte. Viele Tote waren das Ergebnis der Wasserflut. Die Holzvorräte seines Bruders schwammen ebenfalls davon und der Bruder stand vor dem Nichts. Fiege zog weiter nach San Franzisco. Dort hatte er die Familie Michels aus der Oberstadt besucht.

Gemälde des Amerika-Auswanderers Johann Franz Josef Fiege (Bildnis um 1900)

Er berichtet auch über die eingehenden Briefe und wundert sich über die vielen „Heiratsfälle“ in Erlinghausen und freut sich, „daß sie den Degen aus Erlinghausen bei die Soldaten genommen haben“. Auch der Tod des Königs wird thematisiert. „Alles was wichtiges in Europa forvält, wißen wir hier in 14 Tagen mit Tellegraphiren, und in 38 Tagen durch die Zeitung.“ Er schreibt vom Krieg „Südh und Nordh Amerika“ und den dort Gefallenen Uhrmacher Joseph Witte aus Stadtberge. Auch den Tod von Anton Müller und dessen Onkel (ebenfalls Stadtberge) gibt er bekannt: „5 Kugeln durch die Brust 1 durch den Kopf“. In einem weiteren Brief aus „Gibsville“ gibt er bekannt, dass er Schuhmacher geworden ist und spiegelt die widrigen Wetter- und auch Arbeitsverhältnisse Amerikas sowie die Verständigungsprobleme auf Englisch wider: „Meine Theuren, Geliebten was das Leben anbelangt hir ist kein vergnügen.“ Fiege schickte regelmäßig Wechsel zur daheimgebliebenen Mutter in Marsberg und unterstützte sie so. Johann Franz Josef Fiege kehrte etliche Jahre später nach Marsberg zurück und erhielt als Krankenpfleger und Schuhmacher der Anstalt des St. Johannesvereins Niedermarsberg von der Generalkommission in Angelegenheiten der Königlich Preußischen Orden eine Ehrenauszeichnung in 1909. Weitere Exponate sowie alle Briefe finden Sie im virtuellen Museum: www.Marsberger-Geschichten.de

 

 

                                                                                                                                                                                              

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