Marsbergs Fundstück des Monats – Dezember 2012

Marsbergs Fundstück des Monats – Dezember 2012

Im Rahmen der Vorbereitungen zu Band 2 seiner Buchreihe wurden dem Verein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ viele neue Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt. Das Fundstück des Monats Dezember 2012 repräsentiert ein Stück Geschichte eines 475 Jahre alten Marsberger Familienunternehmens.

Fundstück des Monats Dezember 2012: die Hauptbücher der Maler- und Tüncherfamilie Roland.

Zusammen mit dem Sauerlandkurier wird exklusiv dieses Fundstück vorgestellt.

Weitere Exponate wurden in das weltweite, jederzeit einblickbare virtuelle Museum des Vereins unter www.Marsberger-Geschichten.de eingepflegt. Jeder kann auch in Zukunft mitarbeiten und dort eigene Fundstücke hochladen.

Der Vorstand des Vereins entschied sich diesmal für ganz besondere Unikate: „Die Hauptbücher“ der Maler- und Tüncherfamilie Roland aus Marsberg. Diese vorliegenden Bücher wurden von Josef Roland zur Verfügung gestellt. Sie spiegeln zig-hunderte von Kunden des in Marsberg alteingesessenen Unternehmens wider. So sind z. B. in einem Hauptbuch für die Zeit von 1895 bis 1913 etliche Aufträge für die jüdischen Unternehmer Alexander und Dalberg, den Wrexer Bürgermeister Brüne, die Anstalt, St. Joh.-Hospital, Dr. Bange, Ehrenamtmann Dr. Rentzing, Fabrikbesitzer Kummer, Zechitwerksbesitzer „Reinecke“, die Hermannshütte Bredelar und das Sägewerk Sasse ausgewiesen. Einen ganz besonderen Auftrag erhielten die Maler Roland vom Amt Niedermarsberg in 1895. Alle Amtstafeln der damals 10 eigenständigen Gemeinden sowie der Stadt Niedermarsberg (Bredelar erst ab 1900 eigenständig) wurden für einen Arbeitslohn von 1,85 RM pro Tafel renoviert und instandgesetzt. Die Rolands sind seit dem 26.10.1537 als Unternehmer urkundlich nachweisbar. Ursprünglich in Massenhausen bei Canstein beheimatet, unterhielten sie den sogenannten „Roländer“ Hammer samt Verhüttung an der Orpe. Zum Ende des 30-jährigen Krieges (1618-48) erfolgte die Umsiedlung durch die Hessen und Schweden nach Obermarsberg. Dort sollten sie den Handel sowie die Verhüttung der metallenen Rohstoffe des Marsberger Gebietes voranbringen. Der erste neugeborene Roland in Obermarsberg war in 1664 Christoph Roland. Anton Roland, sein Bruder, war mehrfach Bürgermeister und Kämmerer des Ortes. Zeichen der wirtschaftlichen Blüte der Bergbauunternehmer Roland sind die -noch heute sichtbaren- gespendeten Kirchenbänke in der Stiftskirche; das Haus Roland aus 1698, das heute im Freilichtmuseum Detmold als Museumsgaststätte dient; oder auch z. B. das eingemeißelte Tableau in der Weißen Kuhle. Ca. in der Mitte des 18. Jahrhunderts wechselten die Rolands ihre unternehmerische Tätigkeit und waren fortan im Handwerk beheimatet. 1785 tauchte erstmals als Berufsbezeichnung der Rolands „Maurer und Tün(s)cher“ in den Kirchenbüchern auf. Neben dem vorgenannten Reidemeisterhaus von Anton Roland sind für den Zeitpunkt des Urkatasters von 1830 das ehemalige Fachwerkhaus (heute: Eresburgstraße 62 – neues Haus Kreft, zu Letzt: Vorneweg) und das heutige Haus Kleck in der Brunnenstraße von Obermarsberg für die Rolands als Eigentum belegt. 1842 heiratete Johann Christoph Roland des Sattelmeisters Wahle´s Tochter. Hier wird erstmals der Niedermarsberger Wohnort: „Am Dreckhof“ (heute: Glindeplatz) angegeben, der allen Marsbergern als Firmen- und Wohndomizil bestens bekannt ist. Auf Sohn Martin Roland folgte Josef Roland (Großvater des heutigen Unternehmers). Dieser war Gemäldemaler und erstellte u. a. sämtliche Malereien in der Kapelle des St. Johannesstiftes, die dort noch immer zu begutachten sind. Sein Sohn Josef erbte diese künstlerische Ader und malt bis heute im Alter von 90 Jahren im „Haus am Bomberg“.

Die Marsberger Malerfamilie Roland, ca. 1939: v. l. Josef (jun.), Kunigunde, Wilhelmine und Josef Roland sowie Luzie.

                                                                                                                                                                                             

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