Ein Ort an dem Kaiser und Könige residierten – Marsbergs Fundstück des Monats Januar 2014 beschäftigt sich mit dem Bredelarer Gasthof Kirchhoff, vormals Weber

Ein Ort an dem Kaiser und Könige residierten – Marsbergs Fundstück des Monats Januar 2014 beschäftigt sich mit dem Bredelarer Gasthof Kirchhoff, vormals Weber

Bredelar. Das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte“ beherbergt viele Sammlungen, Exponate und Informationen zur allgemeinen Geschichte aller Marsberger Ortschaften, aber auch zu alteingesessenen Unternehmerfamilien und sonstigen Persönlichkeiten des Stadtgebietes.

01 - Vor dem Gasthof Weber-Kirchhoff in Bredelar um 1910

Das Foto entstand vor dem Gasthof Weber-Kirchhoff in Bredelar um 1910. Auf dem Pferd sitzt Julius Kirchhoff jun.. Der 3. v. l. ist Herr Hellermann sen., der 4. v. l. Julius Kirchhoff sen. und die 3. v. r. Elisabeth Kirchhoff, verheiratete Stratmann.

Der Verein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ erhielt nun für das Museum „Zuwachs“ von Ursula Zurhausen, geb. Kirchhoff. Sie stellte verschiedenste Dokumente und Relikte zum Bredelarer Gasthof Kirchhoff zur Verfügung. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein prämierte diese Sammlung nun zu Marsbergs Fundstück des Monats Januar 2014. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Gründer des Bredelarer Gasthofes war Carl Weber aus Hemmerde bei Werl. Seine Ehefrau Elisabeth Weber, geb. Krick, stammte aus Meschede. Als erstes Wohn- und Gastwirtschaftsdomizil dienten die um 1870 frischerrichteten Bahnhofsgebäude. Am Anfang der 1870er Jahre bauten die Eheleute das in Bredelar bis heute bekannte Gebäude „Kirchhoff“. Sein ursprüngliches Aussehen und dessen Charakter hat es bis heute behalten und ist eines der ältesten Häuser des Ortes. Am 25. Juli 1874 erhielt Carl Weber vom Briloner Landrat Droste zu Vischering für sein Haus mit der Nr. 10 in Giershagen, Ortsteil Bredelar, die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. Der Zeitpunkt der Gaststätteneröffnung war günstig gewählt, da die Bahnlinie gerade fertiggestellt war. Der Bahnhof Bredelar entwickelte sich zu einem wahren Umschlagsplatz für Holz, Erze und Getreide. Und die Fuhrleute, die ihre Waren zum Bahnhof brachten, waren durstige Leute! Die „Reichsgräflich zu Stolberg´sche Dampf-Bierbrauerei“ belieferte von Anfang an die Gaststätte. 1892 verstarb Carl Weber. Seine Witwe Elisabeth führte zunächst mit ihrem Bruder August Krick die Geschäfte weiter. Zu dieser Zeit war Julius Kirchhoff aus Godelheim bei Höxter Verwalter des ehemaligen Bredelarer Klostergutes – damals Eigentum der Familie Eickhoff, heute Köhne. Am 08. Oktober 1895 heiratete Kirchhoff die einzige Tochter der Familie Weber und wurde fortan Gastwirt. Die Hochzeit war für Bredelar ein Großereignis. Neben zahlreichen, persönlich anwesenden Gratulanten standen in Bredelar die Telegraphen nicht still. Die Familie Weber – später auch Kirchhoff – hatte immer honorige Gäste in ihrem Haus, was der „Sauerländische Anzeiger“ aus der damaligen Zeit innerhalb dessen Unterkunftsverzeichnis belegt. Bei Bredelar, genauer gesagt auf Giershagener Gebiet, testete Alfred Krupp seine Panzergeschütze und lud hierzu u. a. hochrangige Generäle und Admiräle aus ganz Europa und Übersee in 1877 und 1878 ein. Auch der deutsche Kaiser Wilhelm I. war während eines Schiessversuches zugegen. Aufgrund dieser Kontakte erhielt das frischvermählte Ehepaar Kirchhoff aus allen Ländern Hochzeitsglückwünsche per Telegramm. „Wilhelm II., deutscher Kaiser und König von Preußen“, „Zar Nikolaus II., Kaiser aller Russen“ oder auch „Georg-Victor, Fürst von Waldeck zu Arolsen“ sind hier nur 3 Regenten der honorigen Gratulationsliste.

Die Original-Telegramme befinden sich heute noch in der „Kirchhoff-Sammlung“. Am 17. Juni 1897 schloss Kirchhoff mit der Oberpostdirektion in Kassel einen Vertrag, der ihm den Postkutschenverkehr zwischen Bredelar und Adorf übertrug. Hierfür erhielt Kirchhoff eine Vergütung von 800 RM jährlich. Verspätete sich Kirchhoff mit seiner Kutsche so musste er lt. Vertrag eine Strafe von 5 Pfennig pro Minute bezahlen, was in der damaligen Zeit ein nicht unerheblicher Betrag war. Julius Kirchhoff verstarb im Dezember 1938. Die Gaststätte wurde von Julius Kirchhoff jun. und später von seinem Bruder Josef weitergeführt. Weitere Generationen an „Kirchhoff-Gastwirten“ mit Hubert Kirchhoff und Ursula Zurhausen, geb. Kirchhoff, folgten ihnen. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichten.de