Ein bisher unbekanntes, fast 650 Jahre altes Schutz- und Trutzbündnis im Diemeltal aus dem Jahre 1358

Ein bisher unbekanntes, fast 650 Jahre altes Schutz- und Trutzbündnis im Diemeltal aus dem Jahre 1358

zwischen Hofgeismar, Wolfhagen, Volkmarsen, Warburg und Marsberg – In den unruhigen Zeiten des Mittelalters, als durch die Staatenzersplitterung die Unsicherheit im deutschen Lande mehr und mehr wuchs und der Rechtsschutz der Landesherren nicht immer hinreichende Sicherheit bot, schlossen sich vielfach Städte zu einem Bunde zusammen, um sich besser vor feindlichen Überfällen schützen zu können. Dieses geschah vor allem im 14. Jahrhundert. Auch in unserer engeren Heimat sind eine Reihe Bündnisse geschlossen worden, die oft von großem Nutzen waren. Im Folgenden soll kurz von einem Bündnis berichtet werden, das bisher in der sauerländischen Geschichtsaufarbeitung nicht bekannt war, für die Geschichte der betroffenen Städte aber von sehr großer Bedeutung gewesen sein wird. Es ist das Schutz- und Trutzbündnis der Städte Hofgeismar, Wolfhagen, Volkmarsen und Warburg, dem sich nachträglich noch Marsberg anschloss. Dieses Bündnis ist vor allem auch deswegen bemerkenswert, weil es enge Beziehungen Marsbergs zu den hessischen Nachbarstädten – ausgenommen Volkmarsen – zeigt, die weder vorher noch nachher zu finden sind. Die Bürgermeister und Räte der oben genannten Städte kamen schon am 04. April 1358 in Warburg zusammen, um die gegenseitigen Verbindlichkeiten genau festzulegen. Die 12 Punkte, auf die man sich vertraglich geeinigt hatte, besagen inhaltlich etwa Folgendes:

1. Die verbündeten Städte Hofgeismar, Wolfhagen, Volkmarsen und Warburg, nachträglich auch Marsberg, sowie die dazu gehörenden Burgen sollen bei einem feindlichen Einfall den Bürgern einer bedrängten Stadt die Aufnahme nicht verweigern.

2. Falls eine Stadt von einer drohenden Gefahr Kenntnis erhält, soll diese die anderen verbündeten Städte sogleich durch Boten warnen und dabei nicht mit Geld sparen.

3. Sofern ein Teil Wachtposten aussendet, sollen auch die Anderen das Gleiche tun und zwar so, dass sie einander leicht zu Hilfe kommen können. Die Stadt Hofgeismar soll Wachtposten in Richtung Warburg bis zum Hauedaer Holze (Hovdirholte) aufstellen und entsprechend die Stadt Warburg. Die Wolfhagener Postenkette soll sich bis zum Breuner Ort ( Flur bei Wettesingen) erstrecken, usw. Die Marsberger Postenkette ist selbstverständlich auch erwähnt, wenngleich doch nicht so ausführlich wie die Südostkette. Vermutlich befürchtete man dort die größte, einfallende Gefahr.

4. Die Vortrupps sollen jeder bedrängten Stadt nach Kräften helfen.

5. Jeden Tag sollen Städte und Bürger zur gegenseitigen Hilfe und zum gegenseitigen Schutz bereit sein.

6. Bürger, die sich in einer der verbündeten Städte aufhalten, soll man in Ruhe lassen, es sei denn, dass sie schon in der Heimatstadt verfolgt würden. In diesem Fall soll man dem Kläger zu seinem Recht verhelfen.

7. Keine Stadt soll des Anderen Feinde beköstigen und stärken von dem Tage an, wo dieses ihr verkündigt wird.

8. Keine Stadt soll Verbrecher einer befreundeten Stadt aufnehmen oder man halte Gericht über sie.

9. Sollte eine Stadt diesen Vertrag brechen, so soll das den Bund der Anderen nicht auflösen.

10. Für den Fall, dass eine Stadt aus dem Bund treten will, muss sie dieses ein Vierteljahr vorher bekannt geben. Liegt eine Stadt mit der austretenden in Feindschaft, so muss diese erst beigelegt werden.

11. Dieser Vertrag soll keinen hindern, seinem rechten Herrn nach Recht und Ehren zu dienen.

Blick auf Obermarsberg vom Galgenberg um 1900

12. Die Bürgermeister und Räte geloben für sich und ihre Nachkommen sowie für ihre Städte und Bürger, alle vorgenannten Punkte stets genau und gewissenhaft zu beachten.

Dieses hier in kurzen Worten beschriebene ist im Originaltext bedeutend umständlicher und ausführlicher dargelegt, wie es bei mittelalterlichen Urkunden überhaupt üblich war. Schon wenige Tage nach Bekanntgabe des Bündnisses scheint sich herausgestellt zu haben, dass ein Punkt des Vertrages nicht ausführlich genug sei, denn bereits am 15. April 1358 kam man abermals zusammen, um dem Vertrag noch eine nähere Bestimmung über die gegenseitige Hilfe im Kriegsfall zuzufügen. Am 16. August des gleichen Jahres schloss sich auch Marsberg (Merseberghe) diesem Städtebündnis an, das ebenfalls in einer besonderen Urkunde mit ungefähr gleichlautendem Text niedergelegt ist. Von diesen Verträgen bekam jede der verbündeten Städte eine mit allen Siegeln behangene Ausfertigung. Es sind jedoch heute scheinbar nur die Wolfhagener Urkunden hierüber erhalten. Wie lange dieses Bündnis bestanden hat, ist nicht festzustellen. Es wird wahrscheinlich einige Jahrzehnte lang von praktischer Bedeutung zum gegenseitigen Schutz und zur gegenseitigen Hilfe gewesen sein.

Quelle:             Staatsarchiv Marburg, Urkunden des Bestands X1 Wolfhagen, Nummern 45, 46 und 47


Waldeckische Landeszeitung 08.01.2011 >>