Flechtdorfer Ursprünge basieren auf den Padbergern – Marsberger Geschichten und Dr. Karl Schlömer stellen einmaligen Doppelband vor

Padberg / Flechtdorf. Das Kloster in Flechtdorf – eine Gründung der Marsberger, genauer gesagt der Padberger Grafen am Anfang des 12. Jahrhunderts – ist eine überregional bedeutende Institution. Mit der Urgeschichte sowie der jüngeren Geschichte Flechtdorfs befassen sich zwei aktuell erschienene Publikationen als Doppelband. Sie wurden in Diemelsee-Adorf bei „SBS-Druck – Uwe Ströthoff“ gedruckt.

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Dr. Karl Schlömer mit einem Band der Flechtdorfer Chronik.

Der Flechtdorfer Dr. Karl Schlömer hat in seinem „Lebenswerk“ weit über 20 Jahre geforscht und stellte jetzt zusammen mit dem Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ seine Recherchen und die grenzübergreifenden Bezüge Padbergs (Stadt Marsberg) und Flechtdorfs (Gemeinde Diemelsee) auf rund 800 Seiten vor. Das Dorf Flechtdorf – praktisch an der Landesgrenze – zeigt auch ansonsten mit familiären Verflechtungen zu westfälischen Nachbardörfern vielerlei grenzenlose Verbindungen auf. Einige alteingesessene Familien westfälischen Ursprungs gibt es natürlich nicht mehr, in ihren Häusern wohnen „Neubürger“. Auch Landwirtschaft und Handwerk oder die Dorfgemeinschaft haben sich gewandelt. Das Platt droht auszusterben. Dr. Karl Schlömer hat all die zeitaktuellen Veränderungen in seinem Heimatdorf seit seinen Kindheitstagen verfolgt, den Verlust von manchem bedauert er sehr. Um die „Erinnerung an Vergangenes“ an nachfolgende Generationen weiterzugeben, hat der pensionierte 84-Jährige Chemiker eine aufwendige „Flechtdorfer Chronik“ zusammengestellt. 416 Seiten ist der erste Band über „Das Dorf und seine Geschichte“ dick, das großformatige Werk mit vielen Bildern ist jüngst erschienen. Der nur wenige Seiten kürzere zweite Band steht parallel zur Verfügung. Nach seiner Pensionierung wollte er sich eigentlich dem Aufbau seiner Modelleisenbahn widmen. Als die Arbeit am Ortssippenbuch anlief, beschloss er, eine eigene Darstellung der Flechtdorfer Geschichte zu schreiben. Denn bisher gab es nur die 1952 erschienene Flechtdorf-Festschrift von Pfarrer Arnold Jesch und Arbeiten über das Benediktiner-Kloster. Schlömer hat die Flechtdorfer Kirchenbücher und Protokollbücher des Gemeinderates ausgewertet und Literatur über das Dorf herangezogen, ob Louis Curtzes „Volksüberlieferungen“ oder Platt-Forschungen von Bernhard Martin. Etwa 50-mal war er im Marburger Staatsarchiv, um alte Dokumente einzusehen. Dabei habe er viel noch nicht Bekanntes in Erfahrung gebracht, berichtet er. Zahlreiche Gespräche hat er mit Familien geführt. Außerdem hat er viele Fotos und Zeichnungen zusammengetragen, mit denen die beiden Bände reich bebildert sind. So beleuchtet er alle Facetten des Dorfes. Allein das Inhaltsverzeichnis ist fünf Seiten lang. Schlömer geht auf die Geschichte des Klosters ein, auf die Rolle der Kirche und der Orden im Mittelalter, auf die neue evangelische Ordnung und auf die Ausstattung der Klosterkirche. Er beschreibt das Gogericht und das Schulwesen, das bis ins 19. Jahrhundert hinein der Kirche unterstand. Er geht ein auf die Dorfentwicklung, auf die Bauernschaft, Handwerker und Gewerbetreibenden. Er hat uralte Sagen und Märchen zusammengetragen, Lieder und Gedichte. In den Archiven hat er auch einige Kuriositäten gefunden.

Das Kloster in Flechtdorf ist eine Gründung der Padberger – Dr. Karl Schlömer und die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ stellten jetzt das rund 800 Seiten starke Doppelwerk zur grenzübergreifenden Geschichte vor.

Das Kloster in Flechtdorf ist eine Gründung der Padberger – Dr. Karl Schlömer und die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ stellten jetzt das rund 800 Seiten starke Doppelwerk zur grenzübergreifenden Geschichte vor.

Eine mit falschem Eheversprechen „verführte“ Jungfrau, Streitereien mit dem Pfarrer um eine „wilde Ehe“, tragische Todesfälle – also auch das pralle Leben spiegelt sich wider im erschienenen Doppelband. Im zweiten Band der „Flechtdorfer Chronik“ liegt der Schwerpunkt auf den Familien des Dorfes und ihre Häuser. Die Reihenfolge im Buch richtet sich nach den 72 Hausnummern, die von 1900 bis zur Bildung der Gemeinde Diemelsee 1972 benutzt worden sind. Jedes Gebäude hat bis heute seinen Hausnamen – von Allemegges und Arnolds bis Wittefelds und Zenziges. Für jedes Haus zeichnet er chronologisch nach, welche Familien mit oder ohne westfälischem Bezug es bewohnt haben. Da Schlömer die Familiengeschichte über die Zweige weiter verfolgt, erwähnt er auch viele Familien, die heute nicht mehr im historischen Dorfkern wohnen, oder Zugezogene, die in alte Familien eingeheiratet haben. Schlömers Quellengrundlage sind die Flechtdorfer Kirchenbücher, außerdem wurden alle greifbaren Ortssippenbücher herangezogen, um etwas über Familienzweige in Erfahrung zu bringen. Zu den einzelnen Familien hat Schlömer historische Fotos gesammelt, weitere Aufnahmen zeigen Grabsteine an der Klosterkirche. „Ich habe alle Familien angesprochen“, berichtet er. So kam er auch an weitere alte Dokumente wie Ehe- und Kaufverträge, die im Wortlaut zitiert wurden. Auch Bittbriefe an den Grafen, Prozesse des Flechtdorfer Bauerngerichts, Rechtsgeschäfte und Auszüge aus Saalbüchern oder den Protokollbüchern der Gemeinde führt er an. So kann Schlömer nicht nur einzelne Einwohner näher beschreiben, von denen das Ortssippenbuch nur die Daten nennt. Er dokumentiert den Aufbau oder den Niedergang von Höfen, die Schuldenlast, Unterhaltspflichten, Katastrophen wie Brände und Kriegsfolgen. Seine Zusammenstellung gibt so auch spannende Einblicke ins dörfliche Leben, in einstige Moralvorstellungen und in die Sozialstruktur Flechtdorfs. Auch die Pfarrer und die Rentmeister des einstigen Klosters finden ihren Platz im Buch.

Und die Leser erfahren, dass der Vater des berühmten klassizistischen Bildhauers Daniel Christian Rauch, Johann Georg Rauch, aus Flechtdorf stammt – er wurde Kammerdiener im Arolser Schloss. Mit der Herausgabe des Buches endet das Projekt Dorfgeschichte, das Schlömer über 20 Jahre lang intensiv beschäftigt hat. „Das war mein Hobby“, sagt er. Ein weiteres Werk hat er nicht in Planung: „Irgendwann muss auch mal Schluss sein.“ Die Flechtdorfer Chronik – Band 1 und 2 im DIN-A4-Format sind reichhaltig bebildert. Die beiden „Hardcover-Werke“ kosten jeweils 35 Euro und können direkt bei uns im Online bestellt werden.

Flechtdorfer Chronik Band 1 >>

Flechtdorfer Chronik Band 2 >>

Geschichte in Marsberg

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